Der Wind fuhr durch das karstige Tal, wirbelte Staub auf, von nichts aufgehalten als einigen spärlichen Büschen. Hin und wieder trug kleiner Wirbel Dreck und trockenes Gras weit hinein bis in den kleinen Canyon, der vom Tal abzweigte und an dessen Ende sich eine massive Steinformation erhob, die etwas umrahmte. Etwas Großes, Schweres und unüberwindbar Scheinendes.
Umbra blinzelte gegen die Mittagssonne und hoffte, dass der Schatten des Berges bald weiter wandern würde um ihr ein wenig Kühlung zu bringen. Hier zu arbeiten war nun wirklich kein Vergnügen, aber sie hatte sich nun mal bereit erklärt, die nötigen Vorbereitungen zu treffen.
Die junge Frau schirmte ihre Augen mit einer Hand ab und spähte in Richtung Talausgang. Selbst in ihrem kurzen braunen Haar staute sich heute die Hitze, so dass ihr Schweißperlen in Bächen über das staubige Gesicht liefen um dort kleine Linien zu hinterlassen.
Sie drehte sich um und betrachtete die Felswand nachdenklich, in die eine Art Tor eingebettet war. Vor einiger Zeit stießen Bauern rein zufällig darauf, als sie einige entlaufene Ziegen einfangen wollten. Das Wetter hatte einen Teil dieser Pforte freigelegt und erst beim Ausgraben wurde deutlich, wie groß dieses massive Stück Metall wirklich war.

Seit hunderten von Ahnen hatte niemand ein solches Meisterwerk der Schmiede- und Metallgießkunst gesehen. Kein Mensch konnte so eine große Gussform mit heutigen Mitteln herstellen. Wieder rätselte Umbra über die Herkunft dieses außergewöhnlichen Fundes. Sie trat näher an das Tor und strich vorsichtig mit den Fingern über die korrodierte Oberfläche.
Noch jetzt, nach all den Ahnen, konnte sie das Können dieser untergangenen Kultur spüren. Die Pforte saß immer noch fest in der Verankerung und selbst eine Sprengung würde hier wohl kaum zu einem brauchbaren Ergebnis führen.
Sie seufzte, setzte sich auf eine Decke und griff nach ihrer Ledertasche um sich ihr Mittagsmahl heraus zu angeln. Schon wieder Dörrfleisch!!! Umbra nagte an einem Streifen des zählen Fleisches und spülte es mit einem Schluck Wasser hinunter.
Langsam kehrte ihre Energie zurück und ihre Aufmerksamkeit. Ihr Kopf fuhr herum, als sie eine Bewegung im Canyon wahrnahm. Fast zu schnell für das Auge. Sie sprang auf. Keine zwanzig Meter vor ihr kam ein großes Raubtier zum Stehen. Es schnaufte und war sicher schon einen weiten Weg durch die Hitze gerannt.
Umbra ging wutentbrannt auf das Tier zu und schrie es an: „Wolltest Du nicht schon heute morgen hier sein, Hektor?!“ Vor ihr bildete sich eine weiße Wolke und vermischte die Konturen des Raubtieres mit der eines Menschen. Schließlich stand ein blonder Jugendlicher vor ihr und winkte angeödet ab. „Schon gut, Schwester! Ich wurde aufgehalten, aber nun bin ich ja da.“ Er nahm die Umhängetasche ab und Umbra riss ihm die Vorräte fast aus der Hand.

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